Leben unter Beschuss: Im Iran, während der Krieg in die vierte Woche geht

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Der Konflikt im Iran geht in die vierte Woche und es ist kein klares Ende in Sicht. Das Pentagon fordert 200 Milliarden US-Dollar, um die Operation aufrechtzuerhalten, was die Weltwirtschaft destabilisiert, während die Luftangriffe in dicht besiedelten iranischen Städten zunehmen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die gelebte Erfahrung im Iran – eine Perspektive, die oft durch Medienausfälle und eskalierende Gewalt verdeckt wird.

Eine Nation im Belagerungszustand

Seit Beginn der Angriffe herrscht im Iran ein nahezu völliger Internetausfall, was eine genaue Berichterstattung aus dem Land nahezu unmöglich macht. Allerdings tauschen Netzwerke iranischer Bürger und Diasporagruppen Erfahrungen aus, die ein düsteres Bild des täglichen Lebens unter Bombardierung und politischer Unterdrückung zeichnen.

Roya Rastegar, Produzentin und Mitbegründerin des Iranian Diaspora Collective, ist eine der wenigen Stimmen, die Einblick in die Situation geben. Ihre Quellen vor Ort berichten von einer brutalen Realität: Die Kommunikation ist fragmentiert, instabil und wird aktiv vom Regime kontrolliert. Der Stromausfall ist kein technisches Versagen, sondern ein bewusstes politisches Instrument, um 90 Millionen Iraner von der Außenwelt zu isolieren.

„Nachrichten kommen in Schüben heraus und sind nicht zuverlässig“, erklärt Rastegar. „Menschen nutzen VPNs über Freunde von Freunden und senden Sprachnotizen, bevor sie wieder offline gehen. Anrufe werden überwacht. Angst behindert jedes Gespräch.“

Dabei geht es nicht nur um körperliche Gefahr; Es geht um eine Informationsbelagerung. Den Iranern mangelt es an Echtzeitdaten über Angriffe, Verluste und auch nicht darüber, ob die staatliche Propaganda korrekt ist. Die Forderung aus dem Land ist einfach: Wiederherstellung des Internets. Der Blackout isoliert Menschen sowohl psychisch als auch physisch.

Alltag in einem Kriegsgebiet

Trotz des anhaltenden Konflikts geht das Leben in gebrochener Form weiter. Menschen versuchen unter ständiger Bombardierung und Überwachung zu arbeiten, zu studieren und sich um ihre Familien zu kümmern. Grundbedürfnisse werden immer knapper, da Benzin rationiert wird und viele Geschäfte geschlossen werden. Selbst diejenigen, die früher der Mittelschicht angehörten, haben heute Schwierigkeiten, sich das Nötigste zu leisten.

Die Nacht ist besonders brutal: Explosionen, Flugzeuge über uns und die allgegenwärtige Erwartung eines Angriffs stören den Schlaf. Bei jedem Geräusch rennen Menschen zu Fenstern oder Dächern und sind sich nicht sicher, ob es sich um einen Streik oder nur um einen weiteren Terrorakt handelt.

Die Straßen in Teheran sind menschenleer. Bäckereien bleiben geöffnet, aber leer. Der Sicherheitsapparat des Regimes – darunter auch Basij-Beamte in Zivil – stoppt Bürger aggressiv, kontrolliert Telefone und nimmt Verhaftungen vor. Viele Iraner haben inzwischen mehr Angst vor der Brutalität des Regimes als vor den Luftangriffen selbst.

Ein Regime, das sich schon lange mit seinem eigenen Volk im Krieg befindet

Für Iraner ist dieser Konflikt nichts Neues. Das Regime führt seit 47 Jahren einen einseitigen Krieg gegen sein eigenes Volk, der Frauen, Minderheiten und die Armen unverhältnismäßig stark ins Visier nimmt. Einige Bürger berichten, dass sie Angst verspüren, wenn die Streiks aufhören, weil die Alternative – das Überleben der Islamischen Republik – noch beängstigender ist.

„Das Regime verlor seine Legitimität, als es Zehntausende Menschen massakrierte“, stellt Rastegar fest. „Die Iraner sind so verzweifelt, dass sie eine Intervention von außen als den einzigen verbleibenden Weg sehen.“

Der Stimmungswandel im Iran

Die ersten Reaktionen auf die Intervention von außen waren gemischt, einige hofften auf einen Sturz des Regimes. Allerdings hat sich die Stimmung nach zivilen Opfern verschlechtert, darunter einem Angriff auf eine Mädchenschule, bei dem 168 Menschen ums Leben kamen. Jetzt sind viele erschöpft, trauernd und in der Schwebe gefangen.

Trotzdem lassen sich die Iraner nicht zum Schweigen bringen. Selbst angesichts staatlicher Gewalt protestieren und widersetzen sich die Bürger weiterhin. Ein aktuelles Beispiel ist der Trotz beim Chaharshanbe Suri, einem alten Feuerritual, bei dem Menschen trotz Drohungen des Regimes über Flammen auf der Straße sprangen.

Die Zukunft bleibt unklar

Die Frage ist nun, was als nächstes kommt. Obwohl es keinen Konsens über einen Ersatz für das derzeitige Regime gibt, hat Berichten zufolge ein Übergangsrat aus anonymen Führern Kontakt mit den Vereinten Nationen aufgenommen. Shirin Ebadi, eine Nobelpreisträgerin, wurde zur Vorsitzenden eines Ausschusses für Übergangsjustiz ernannt, und Persönlichkeiten wie Reza Pahlavi setzen sich für einen demokratischen Übergang ein.

Unterdessen arbeitet ein Dokumentarfilmteam mit sechs jungen iranischen Tänzern, die sich trotz der Risiken weigern, mit dem Filmen aufzuhören. Ihr Widerstand verkörpert ein umfassenderes Gefühl: Die Iraner wollen nicht nur überleben; Sie wollen Leben, Schönheit und Handlungsfähigkeit angesichts der Vernichtung behaupten.

Die Lage im Iran bleibt instabil. Die Zukunft des Landes hängt davon ab, ob das Regime stürzt und wenn ja, wer es ersetzen wird. Im Moment leben Millionen Menschen unter Belagerung, gefangen zwischen Bomben, Überwachung und der verzweifelten Hoffnung auf eine bessere Zukunft.