Trump drängt erneut auf die Annexion Grönlands und signalisiert damit einen umfassenderen Wandel in der US-Außenpolitik

9

Präsident Donald Trump strebt erneut die Übernahme Grönlands an, dieses Mal durch die Ernennung des Gouverneurs von Louisiana, Jeff Landry, zum Sondergesandten, der das Gebiet unter US-Kontrolle bringen soll. Diese erneute Anstrengung ist alles andere als eine zufällige Obsession, sondern spiegelt eine umfassendere und zunehmend selbstbewusste außenpolitische Strategie wider, die auf regionaler Dominanz und Skepsis gegenüber traditionellen Verbündeten basiert.

Der erneute Vorstoß für Grönland

Trumps Interesse an Grönland geht auf seine erste Amtszeit zurück, doch jüngste Maßnahmen lassen auf einen kalkulierteren Ansatz schließen. Die Ernennung von Landry trotz seiner begrenzten Erfahrung in der Außenpolitik signalisiert die Absicht der Regierung, unkonventionelle diplomatische Kanäle zu nutzen. Wie Trump selbst erklärte, wird der Schritt als eine Frage des „nationalen Schutzes“ dargestellt, aber die zugrunde liegenden Beweggründe offenbaren einen tieferen Ehrgeiz, die geopolitische Landschaft neu zu gestalten.

Die dänische und die grönländische Regierung lehnten die Idee unter Berufung auf das Völkerrecht und die nationale Souveränität umgehend ab. Die Regierung scheint jedoch unbeeindruckt zu sein, da Trump offen über die mögliche Anwendung von Gewalt spricht, falls dies erforderlich sein sollte. Diese Missachtung etablierter Normen unterstreicht die Bereitschaft, die aktuelle Weltordnung in Frage zu stellen.

Jenseits von Mineralien: Ein strategisches Spiel

Während die Ausbeutung von Ressourcen, insbesondere seltener Erden, die derzeit von China dominiert werden, weiterhin ein Faktor bleibt, geht der Vorstoß für Grönland über wirtschaftliche Interessen hinaus. Die jüngste Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) der Regierung betont die „Trump-Folge der Monroe-Doktrin“, die darauf abzielt, externe Mächte aus der westlichen Hemisphäre auszuschließen.

Trump hat wiederholt auf die Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis hingewiesen und Grönland als strategische Notwendigkeit bezeichnet. Doch das Kernproblem ist nicht nur der Zugang zum Territorium; es ist Kontrolle. Die Regierung betrachtet die europäische Regierungsführung, selbst in angeblich verbündeten Ländern wie Dänemark, als potenzielles Hindernis für die Vorherrschaft der USA.

Eine neo-royalistische Weltanschauung

Laut dem Politikwissenschaftler Abraham Newman spiegeln Trumps territoriale Ambitionen eine „neo-royalistische“ Weltanschauung wider, die das Prinzip der gleichen Souveränität aller Nationen ablehnt. Das Ziel ist nicht Zusammenarbeit, sondern Dominanz, die Behauptung der amerikanischen Überlegenheit gegenüber kleineren oder weniger durchsetzungsfähigen Staaten.

Diese Denkweise erstreckt sich über Grönland hinaus, wobei ähnliche Rhetorik auch auf Kanada und andere US-Nachbarn angewendet wird. Die Regierung zeigte auch Missachtung gegenüber den europäischen Regierungen, stellte deren Zuverlässigkeit in Frage und deutete sogar an, man könne ihnen keine Atomwaffen anvertrauen.

Untergrabung der europäischen Souveränität

Die NSS ruft ausdrücklich dazu auf, rechte Parteien in Europa zu unterstützen und Länder zu ermutigen, ihre Beziehungen zur Europäischen Union zu schwächen. Die Annexion Grönlands oder zumindest seine Kontrolle passt direkt in dieses Muster. Es zeigt die Bereitschaft, bestehende Allianzen aufzulösen und direkten Einfluss auf strategisch wichtige Gebiete auszuüben.

Die Ernennung von Landry, einem Loyalisten ohne nennenswerten außenpolitischen Hintergrund, ist ein weiteres Beispiel für diesen Ansatz. Die Verwaltung setzt zunehmend auf informelle Netzwerke und persönliche Kontakte statt auf traditionelle bürokratische Strukturen.

Ein Destillat von Trumps Außenpolitik

Obwohl die Aussicht auf eine tatsächliche Annexion Grönlands weiterhin gering ist, ist die zugrunde liegende Strategie klar: die amerikanische Kontrolle auszuweiten, Ressourcen auszubeuten und den europäischen Einfluss zu untergraben. Diese Bemühungen spiegeln eine kohärente, wenn auch unkonventionelle Vision der US-Außenpolitik unter Trump wider.

Das Vorgehen der Regierung in der Ukraine, in Venezuela und anderswo zeigt die Bereitschaft, die Grenzen zwischen kommerziellen Interessen und Sicherheitszielen zu verwischen. In diesem Zusammenhang ist der Vorstoß für Grönland kein Ausreißer, sondern ein zentrales Element von Trumps breiterer Agenda.