Seit über drei Jahrzehnten steht Mikko Hyppönen an vorderster Front im Kampf gegen digitale Bedrohungen. Jetzt richtet dieser langjährige Cybersicherheitsexperte sein Fachwissen auf ein sich schnell entwickelndes Schlachtfeld aus: den Drohnenkrieg. Der Wandel erfolgt, da unbemannte Flugsysteme in modernen Konflikten immer mehr an Bedeutung gewinnen, was insbesondere durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine deutlich wird.
Von Viren zu Drohnen: Eine sich entwickelnde Bedrohungslandschaft
Hyppönens Karriere begann Ende der 1980er Jahre, als „Malware“ noch ein im Entstehen begriffener Begriff war. Er lernte, Software zurückzuentwickeln und lernte, Anti-Piraterie-Maßnahmen auf frühen Heimcomputern zu umgehen. Im Laufe der Jahre hat er unzählige Malware-Varianten analysiert und dabei die Entwicklung von einfachen Viren, die über Disketten verbreitet wurden, bis hin zu hochentwickelter Ransomware und staatlich geförderten Cyberangriffen miterlebt.
Die grundlegende Herausforderung bleibt dieselbe: Asymmetrie. Verteidiger gewinnen, wenn nichts passiert, aber Siege sind unsichtbar. Ausfälle sind jedoch laut und schädlich. Diese Dynamik hat Hyppönens Karriere vorangetrieben, er erkennt jedoch an, dass bestimmte Bereiche der Cybersicherheit ausgereift sind. Moderne Smartphones beispielsweise sind bemerkenswert sicher, sodass Exploits für alle außer den am besten ausgestatteten Akteure unerschwinglich teuer sind.
Geopolitischer Kontext führt zu neuen Prioritäten
Der Auslöser für Hyppönens Einstieg in die Drohnenabwehrtechnologie ist die eskalierende geopolitische Spannung zwischen Russland und Finnland. Er lebte nur zwei Stunden von der russischen Grenze entfernt und erlebte aus erster Hand die verheerenden Auswirkungen von Drohnen in der Ukraine, wo sie zu einer Hauptwaffe geworden sind. Angesichts der Geschichte Finnlands mit Russland betrachtet Hyppönen die Drohnenverteidigung als eine entscheidende nationale Sicherheitspriorität.
„Die Situation ist für mich sehr, sehr wichtig“, sagt er. „Es ist sinnvoller, gegen Drohnen zu kämpfen, nicht nur gegen die Drohnen, die wir heute sehen, sondern auch gegen die Drohnen von morgen.“
Die Parallelen zwischen Cybersicherheit und Drohnenkrieg
Der Übergang ist nicht so radikal, wie es scheint. In beiden Bereichen kommt es darauf an, Muster zu erkennen und Schwachstellen auszunutzen. In der Cybersicherheit bedeutet das, Malware-Signaturen zu erkennen und Schadcode zu blockieren. Im Drohnenkrieg geht es darum, Funkfrequenzen zu identifizieren und Steuersignale zu stören. Hyppönens Unternehmen Sensofusion entwickelt Systeme zur Ortung und Neutralisierung von Drohnen durch die Analyse ihrer Kommunikationsprotokolle – und wendet dabei im Wesentlichen Cybersicherheitsprinzipien auf eine physische Bedrohung an.
Die Kerntaktik ist die signaturbasierte Erkennung: die Aufzeichnung von Drohnenfrequenzen (IQ-Proben), um nicht autorisierte Geräte zu identifizieren und zu blockieren. Das Ausnutzen von Schwachstellen kann auch zu Fehlfunktionen und Abstürzen von Drohnen führen. Hyppönen weist darauf hin, dass es oft einfacher ist, in die Welt der Drohnen einzudringen, weil eine einzelne Schwachstelle sofort ausgenutzt werden kann.
Das dauerhafte Katz-und-Maus-Spiel
Die gegnerische Beziehung ist konstant: Verteidiger lernen, Angreifer passen sich an und der Zyklus wiederholt sich. Hyppönens Karriere ist von dieser Dynamik geprägt. Auch der Gegner ist konsequent geblieben. Nachdem er jahrelang gegen russische Malware gekämpft hat, muss er nun russische Drohnenangriffe abwehren.
„Ich habe einen großen Teil meiner Karriere damit verbracht, gegen russische Malware-Angriffe zu kämpfen“, sagte er. „Jetzt kämpfe ich gegen russische Drohnenangriffe.“
Das Grundprinzip bleibt unverändert: Anpassen oder überrannt werden. Hyppönens Übergang zur Drohnenabwehr ist keine Abkehr von seinem Lebenswerk, sondern eine Erweiterung davon, angewandt auf die nächste Konfliktgrenze.
