Grammarly, die bekannte Plattform zur Schreibunterstützung, befindet sich in einem großen Wandel. Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, dass es nun unter dem neuen Markennamen Superhuman firmieren wird, was eine umfassendere strategische Ausrichtung auf eine allumfassende KI-Produktivitätssuite signalisiert. Diese Umbenennung ist nicht nur kosmetischer Natur; Es spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise wider, wie das Unternehmen seine Rolle am Arbeitsplatz sieht.
Vom Schreibtool zur KI-Plattform
Grammarly wurde 2009 gegründet und wuchs auf über 40 Millionen Nutzer, indem es sich auf die Verbesserung der Grammatik und des Schreibens konzentrierte. In den letzten Jahren erweiterte das Unternehmen sein Portfolio durch Akquisitionen, darunter die kollaborative Workspace-Plattform Coda und den Premium-E-Mail-Dienst Superhuman Mail. Das Rebranding konsolidiert diese Marken unter einer einzigen Identität und zielt darauf ab, Superhuman als KI-native Plattform zu positionieren, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integriert.
Dies ist ein wichtiger Schritt. Viele KI-Tools sind immer noch isoliert und erfordern von Benutzern einen bewussten Wechsel zwischen Anwendungen. Superhuman versucht, KI direkt in die Arbeitsweise von Menschen einzubetten, anstatt Anpassungen zu erzwingen.
Einführung von Superhuman Go: Kontextuelle KI-Unterstützung
Im Mittelpunkt des Rebrandings steht die Einführung von Superhuman Go, einem KI-Assistenten, der für den Einsatz in mehreren Anwendungen konzipiert ist. Im Gegensatz zu eigenständigen KI-Tools zielt Go darauf ab, relevante Informationen proaktiv bereitzustellen und Aufgaben innerhalb der Tools zu automatisieren, auf die Benutzer bereits angewiesen sind. Es kann beispielsweise beim Verfassen einer E-Mail Kontodetails aus einem CRM abrufen, Besprechungsnotizen zusammenfassen oder automatisch Fehlerberichte für Entwicklungsteams einreichen.
Go stellt eine Verbindung zu über 100 Apps her, darunter wichtige Plattformen wie Google Workspace, Microsoft Outlook, Jira und Confluence. Seine Funktionalität basiert auf „Agenten“ – kleinen, spezialisierten KI-Modulen, die für bestimmte Aufgaben wie das Zusammenfassen von Daten oder das Abrufen von Informationen geschult sind. Dies ist eine clevere Möglichkeit, den Aufbau eines monolithischen KI-Systems zu vermeiden. Stattdessen nutzt es gezielte KI für spezifische Anforderungen.
Eine einheitliche Suite mit einem Agent Store
Die Superhuman-Suite vereint jetzt die wichtigsten Schreibfunktionen von Grammarly, den kollaborativen Arbeitsbereich von Coda und die Posteingangstools von Superhuman Mail in einem einzigen Angebot. In Kombination mit Go besteht das Ziel darin, ein flüssigeres Erlebnis in den Bereichen Schreiben, Kommunikation und Projektmanagement zu schaffen.
Superhuman führt außerdem einen Agent Store ein, der sowohl firmeninterne als auch von Partnern entwickelte KI-Agenten anbietet. Zu den frühen Partnern zählen Common Room, Fireflies, Latimer und andere. Das Unternehmen plant, dieses Ökosystem durch ein Agents SDK weiter zu öffnen, sodass Drittentwickler ihre eigenen verbundenen KI-Agenten erstellen können. Dies legt eine langfristige Vision einer Plattform nahe, auf der KI-Tools modular und erweiterbar sind.
Eine kostenlose Testphase
Die Superhuman-Suite, einschließlich des Go-Assistenten und des KI-Agentennetzwerks, ist jetzt für zahlende Benutzer über Chrome- und Edge-Erweiterungen verfügbar. Geplant sind Mac- und Windows-Versionen. Wichtig ist, dass alle Go-Funktionen bis zum 1. Februar 2026 kostenlos zum Ausprobieren bleiben, sodass Benutzer genügend Zeit haben, den Wert zu bewerten, bevor die Abonnementanforderungen in Kraft treten.
**Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Umbenennung von Grammarly in Superhuman eine strategische Wette auf die Zukunft der KI als unsichtbarer, integrierter Teil des Arbeitsplatzes darstellt. Durch die Kombination von Schreibtools, Arbeitsbereichsfunktionen und kontextbezogener KI-Unterstützung möchte das Unternehmen ein einheitliches Produktivitätserlebnis bieten, das sich an die Benutzer anpasst und nicht umgekehrt. Der Erfolg dieser Strategie wird von ihrer Fähigkeit abhängen, greifbaren Mehrwert zu liefern, ohne etablierte Arbeitsabläufe zu stören.
